Schmierzettel
Wie ein Schleim wabert und ändert er seine Form, hat also in Summe überhaupt keine. Hier schreibe ich, wenn ich Lust habe, einfach irgendetwas. Oder lösche es wieder. Just for fun. Ohne Korrektur oder Inhalt. Ein Schmierzettel eben.
Seht ihr sie nicht, die Reißzähne des Menschheitsgeschlechts, just dort jenseits der Hügelkuppe strahlen? Goldene Lanzen tragen sie auf ihre Schultern gestützt. Den Hopliten der alten Griechen nicht unähnlich stehen sie in Reih und Glied, diese Reißzähne des Menschheitsgeschlechts, und doch reißen sie nicht. Hinter ihnen das wilde Gebell der Kriegshunde, die keine Reißzähne sind, sehr wohl aber welche haben. Wenn es beginnt, in wenigen Minuten, wird die Hölle auf Erden los sein. Denn auf der anderen Seite des Tals stehen ihre Opponenten, die ebenfalls - oh Graus! - Reißzähne des Menschheitsgeschlechts sind, der erste bis zum letzten Mann. Brüdermord! Genozid an sich selbst! Die Schlange frisst ihren Schwanz! So muss auch der Kampf des Menschen gegen sich selbst - endlos sein.
Es kann nicht angehen, wie sehr die Großstädte des Landes stinken. Es ist ein Unding und ein Unrecht gleich dazu. Landflucht, sofort!
Das Buch "Berge Meere und Giganten" von Döblin treibt mich in den Wahnsinn und Ruin. Ist es jetzt gut oder unfassbar schlecht??? So oder so eine große Fehlkalkulation, es als "entspannten Read zum Jahresende" auszuwählen. Hätte ich mir aber eigentlich auch vorher denken können, wo ich doch "Berlin Alexanderplatz" kenne...
Ein Baum ist ein Baum ist ein Baum. Bäume ausreißen! Das Ding an sich existiert nicht mehr!
Tabula rasa - aber was, wenn man diese Formulierung deklarativ auf die Tafel schreibt? Nun, dann fängt man direkt zu lügen an
Er schaute in die auufgedunsenen Gesichter der Männer, die vormittags kein anderes Ziel als die nächste Flasche hatten. Er verachtete sie, und er beneidete sie. Könnte er sich nicht selbst dort unter sie setzen? Sie würden ihn mit ihren verklärten Blicken freudig aufnehmen in ihrer Mitte und alte Lieder von fernen Planeten singen, die sie in ihrem Leben nie wiedersehen werden. Die sie vielleicht nie gesehen hatten und nur aus dem kollektiven Unbewussten Kunde von ihnen hatten. Gerade sangen sie über die reichen Minen auf Baumann und der noblen Arbeit unter Tage. Keiner dieser Männer war je auf Baumann gewesen. Aber Senek war einmal dort gewesen, als kleiner Junge. Er erinnerte sich nur noch an den Staub in der Luft, der ihm das Atmen schwer gemacht hatte. Und er erinnerte sich an eine Obdachlose, an der er vorbeigegangen war. Ihre Augen waren milchig-trübe, und doch glitzerten sie. Vermutlich war sie geblendet worden durch die Kristallsplitter, die in den reichen Minen in der Luft hingen. Im Nachhinein hatte Senek gelernt, dass diese Frau noch Glück gehabt hatte - anderen Bergleuten gelangten die Splitter in die Luftröhre und fetzten von dort aus mit vorteilloser Präzision die innerne Organe entzwei.
Diese Säufer hatten keine Ahnung. Und wie schön es wäre, keine Ahnung zu haben! Aber Senek konnte das nicht, sich zu ihnen setzen. Senek hatte noch nicht aufgegeben. Senek kämpfte weiter um sein Wohlergehen.