Ein freier Mensch

Ein Gedicht.

Die Großen und die Alten sprechen
stets gerne von der Ehre,
von Tugend und von Körperkraft,
als IST und nicht als WÄRE.
Doch dreht euch, Menschen, Augen auf!
Die Erde ist verlassen!
Denn alles, was ihr Leben nennt,
Ist das, was jene hassen.

Oh, wär' ich nur ein freier Mensch
und sänge meine Lieder
von Liebe, Frühling, Sehnsuchtsschmerz,
von Herbstlaub und von Flieder;
Säng' über Berge und das Tal,
wo alle Leben sprießen -
Dann, ja, nur dann alleine
könnt' Leben ich genießen.

Stattdessen sitzen wir gedrängt
und lassen stumpf uns drillen;
Man tischt uns feiste Lügen auf
und nennt sie: Freien Willen.
'Die Kunst, das Fühlen, lohn'n sich nicht!'
So schreit's von allen Seiten.
Die Wahrheit ist uns weit entrückt,
weil Blinde Stumme leiten.

Allein wenn eines Tages - bald? -
die Schreibtischreih'n zerschlagen:
Dann könn'n wir brüd- und schwesterlich
mit neuen Farben im Gesicht
das Wörtchen 'Freiheit' sagen.